{"id":6378,"date":"2022-07-04T15:13:00","date_gmt":"2022-07-04T13:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/emr-sb.de\/?p=6378"},"modified":"2022-07-29T10:31:49","modified_gmt":"2022-07-29T08:31:49","slug":"rueckblick-zenthoefer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emr-sb.de\/fr\/rueckblick-zenthoefer\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Plagiate in der Wissenschaft mit Dr. Jochen Zenth\u00f6fer"},"content":{"rendered":"<p>Zehntausende Menschen werden jedes Jahr in Deutschland promoviert, und nicht alle von ihnen d\u00fcrften bei der Erstellung ihrer Dissertation redlich vorgegangen sein. Dr. Jochen Zenth\u00f6fer, Jurist und freier Journalist, geht davon aus, dass bei etwa 10% der Doktorarbeiten &#8211; in absoluten Zahlen 3.000 pro Jahr &#8211; Plagiate vorliegen. Zenth\u00f6fer hat im Mai 2022 sein Buch &#8220;Plagiate in der Wissenschaft. Wie &#8216;VroniPlag Wiki&#8217; Betrug in Doktorarbeiten aufdeckt&#8221; zur Thematik ver\u00f6ffentlicht. Aus diesem Anlass haben das EMR und das Saarbr\u00fccker Informations- und Medienrechtliches Kolloquium Zenth\u00f6fer am 28. Juni 2022 zu einem Vortrag mit anschlie\u00dfender Diskussion an die Universit\u00e4t des Saarlandes eingeladen. Die Veranstaltung fand hybrid statt.<\/p>\n<p>Das internationale Publikum, darunter auch &#8220;Plagiatsj\u00e4ger&#8221;, h\u00f6rten von Zenth\u00f6fer, dass Wissenschaftsplagiate insbesondere auf vier Ebenen, dem Urheberrecht, den Promotionsordnungen der Universit\u00e4ten, der guten wissenschaftlichen Praxis sowie speziell in der \u00d6ffentlichkeit der ethischen Ebene, Relevanz zukomme. Zenth\u00f6fer, der selbst unter anderem f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine Zeitung zum Thema berichtet, f\u00fchrte an die Materie heran, indem er eine Definition sowie mehrere anschauliche Beispiele f\u00fcr Plagiate vorstellte. Anhand der Beispiele konnte er aufzeigen, dass selbst beim Abschreiben Fehler unterlaufen k\u00f6nnen, die teilweise v\u00f6llig sinnentstellend sind &#8211; ohne dass dies in den genannten F\u00e4llen aufgefallen w\u00e4re. Zenth\u00f6fer erl\u00e4uterte, durch wen und wie Plagiate schlie\u00dflich entdeckt werden: dass es sich h\u00e4ufig um h\u00e4ndische und &#8220;brainische&#8221; Arbeit Einzelner handelt, die sich Satz f\u00fcr Satz durch ein Werk arbeiten und mithilfe von Online-Suchmaschinen die Originaltexte ausfindig machen. Plagiatssoftware sei fehleranf\u00e4llig und entdecke bei weitem nicht alle Plagiate, sodass Wissenschaftlerinnen, Rezensenten, Plagiatsj\u00e4ger oder interessierte Leserinnen die Programme h\u00f6chstens als Ausgangspunkt f\u00fcr weitere Recherchen heranziehen k\u00f6nnten. Welche Konsequenzen Plagiatoren auf den verschiedenen Ebenen erwarten k\u00f6nnen &#8211; vom Entzug des Doktorgrades \u00fcber Reputationsverluste (auch f\u00fcr Doktorv\u00e4ter und -m\u00fctter) oder berufliche Konsequenzen etwa aufgrund Dienstrechts &#8211; war ebenfalls Thema des Vortrags. Anhand eines Beispiels aus der Hochschullandschaft wies Zenth\u00f6fer jedoch auch nach, dass selbst der Entzug des Doktorgrades nicht zwingend zu einem Laufbahnende f\u00fchrt. Ohnehin ergab sich aus dem Vortrag, dass es immer wieder auch Universit\u00e4tsprofessoren und -professorinnen sind, deren Doktorarbeiten Plagiate aufweisen. Im Zuge der sich anschlie\u00dfenden Diskussion mit dem Publikum vor Ort und online ergab sich, dass sich im universit\u00e4ren Kontext die Plagiatsproblematik auch bereits bei Zwischen-, Seminar- oder Abschlussarbeiten zeigt. Nicht immer sei es einfach, Studentinnen und Studenten entsprechend zu sensibilisieren und &#8211; auch ungewolltes &#8211; Abschreiben sowie fehlerhaftes Zitieren zu verhindern.<\/p>\n<p>Zenth\u00f6fer berichtete daneben von seinen Erfahrungen aus der journalistischen T\u00e4tigkeit im Umgang mit Plagiatoren, etwa vom Balanceakt zwischen der Information \u00fcber das Vorliegen eines Plagiatsverdachts oder tats\u00e4chlichen Plagiats und dem Schutz der Betroffenen, die sich h\u00e4ufig aufgrund der Offenlegung in einer psychischen Belastungssituation bef\u00e4nden. Er gab aber auch einen Einblick in Konsequenzen, denen sich Journalistinnen und Journalisten stellen m\u00fcssen: Von Gerichtsverfahren, die sich im Fall Zenth\u00f6fers bis zum BGH (vor dem Zenth\u00f6fer recht bekam) erstreckten, oder Drohungen. Abschlie\u00dfend gab Zenth\u00f6fer seinen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern einige im Anschluss kritisch diskutierte Ideen an die Hand, wie Wissenschaftsplagiate, insbesondere im Kontext von Doktorarbeiten, wenn nicht verhindert, so doch zumindest der Anzahl nach reduziert werden k\u00f6nnten, darunter die Einberufung von externen Zweitgutachtern, die Ver\u00f6ffentlichung der Gutachten, aber auch die Reduzierung der Anzahl der Promotionsvorhaben.<\/p>\n<p>Der hoch interessante Vortragsabend schloss mit einem Umtrunk vor dem Geb\u00e4ude der Juristischen Fakult\u00e4t.<\/p>\n<p>Dr. Jochen Zenth\u00f6fers Buch <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-6258-0\/plagiate-in-der-wissenschaft\/\">&#8220;Plagiate in der Wissenschaft. Wie &#8216;VroniPlag Wiki&#8217; Betrug in Doktorarbeiten aufdeckt&#8221;<\/a> ist bei transcript erschienen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/emr-sb.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/zenthoefer-scaled.jpg\" alt=\"Buchcover Zenth\u00f6fer\" width=\"337\" height=\"562\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehntausende Menschen werden jedes Jahr in Deutschland promoviert, und nicht alle von ihnen d\u00fcrften bei der Erstellung ihrer Dissertation redlich vorgegangen sein. Dr. Jochen Zenth\u00f6fer, Jurist und freier Journalist, geht davon aus, dass bei etwa 10% der Doktorarbeiten &#8211; in absoluten Zahlen 3.000 pro Jahr &#8211; Plagiate vorliegen. 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