{"id":3416,"date":"2018-02-28T14:00:23","date_gmt":"2018-02-28T13:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/emr-sb.de\/?p=3416"},"modified":"2018-02-28T14:12:10","modified_gmt":"2018-02-28T13:12:10","slug":"eugh-werbevideokanal-auf-youtube-kein-audiovisueller-mediendienst-im-sinne-der-avmd-rl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emr-sb.de\/gb\/eugh-werbevideokanal-auf-youtube-kein-audiovisueller-mediendienst-im-sinne-der-avmd-rl\/","title":{"rendered":"EuGH: Werbevideokanal auf YouTube kein audiovisueller Mediendienst im Sinne der AVMD-RL"},"content":{"rendered":"<p>Der EuGH hat mit <a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=199509&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=lst&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=498061\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Urteil vom 21. Februar 2018 (Rechtssache C\u2011132\/17)<\/strong><\/a> klargestellt, dass weder ein Videokanal auf einer Videoplattform (in diesem Fall YouTube) in der hier streitgegenst\u00e4ndlichen Form, auf dem die Internetnutzer kurze Werbevideos abrufen k\u00f6nnen, noch darauf bereitgestellte Videos als &#8220;audiovisuelle Mediendienste&#8221; im Sinne der <a title=\"AVMD-RL 2017\" href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=celex:32010L0013\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Richtlinie \u00fcber audiovisuelle Mediendienste <\/span>(Richtlinie 2010\/13\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 10.\u00a0M\u00e4rz 2010 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten \u00fcber die Bereitstellung audiovisueller Mediendienste, AVMD-RL)<\/a> zu qualifizieren sind. Damit sind die Kanalbetreiber gleichsam von den Informationspflichten aus\u00a0\u00a7\u00a05 der <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/P-R\/pkw-energieverbrauchskennzeichnungsverordnung-verbraucherinfo.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ver<\/a><a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/P-R\/pkw-energieverbrauchskennzeichnungsverordnung-verbraucherinfo.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ordnung<\/a><a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/P-R\/pkw-energieverbrauchskennzeichnungsverordnung-verbraucherinfo.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> \u00fcber Verbraucherinformationen zu Kraftstoffverbrauch, CO<sup>2<\/sup>-Emissionen und Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen (Pkw-ENVKV)<\/a><\/span>\u00a0&#8211; die in Umsetzung europ\u00e4ischer Vorgaben auf die Begriffsdefinition der audiovisuellen Mediendienste in Art. 1 Buchst. a AVMD-RL abstellt &#8211; befreit.\u00a0<\/p>\n<p>Der Entscheidung liegt ein Rechtsstreit zwischen dem Autohersteller Peugeot Deutschland GmbH und der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe e.\u00a0V. zugrunde. Peugeot unterh\u00e4lt auf der Plattform YouTube einen Kanal, auf dem sie Anfang 2014 ein etwa 15 Sekunden langes Video mit dem Titel \u201ePeugeot RCZ\u00a0R Experience: Boxer\u201c ver\u00f6ffentlichte. Hiergegen erhob die Deutsche Umwelthilfe Klage vor dem Landgericht K\u00f6ln mit der Begr\u00fcndung, dass das Fehlen von Angaben \u00fcber den offiziellen Kraftstoffverbrauch und die offiziellen spezifischen CO<sup>2<\/sup>-Emissionen des in diesem Video vorgestellten neuen Fahrzeugmodells gegen \u00a7\u00a05 Abs.\u00a01 Pkw-ENVKV versto\u00dfe. Das LG K\u00f6ln gab der Klage statt und eine Berufung seitens Peugeot wurde vom Oberlandesgericht K\u00f6ln zur\u00fcckgewiesen. Im Revisionsverfahren hat der Bundesgerichtshof jedoch den EuGH um Vorabentscheidung ersucht, da \u00a7 5 Abs. 2 Pkw-ENVKV audiovisuelle Mediendienste im Sinne von Art. 1 Abs. 1 Buchst. a AVMD-RL von den Informationspflichten ausnehme und damit die Entscheidung des Rechtsstreits ma\u00dfgeblich von der Auslegung von Unionsrecht abh\u00e4nge.\u00a0<\/p>\n<p>Der EuGH verneinte die Einordnung des streitgegenst\u00e4ndlichen Angebots als audiovisuellen Mediendienst und verwies dabei vorrangig auf die Definition in Art. 1 Abs. 1 Buchst. a AVMD-RL in Verbindung mit den Erl\u00e4uterungen aus Erw\u00e4gungsgrund 22. Hiernach solle der\u00a0Begriff der audiovisuellen Mediendienste die Massenmedien in ihrer informierenden, unterhaltenden und die breite \u00d6ffentlichkeit bildenden Funktion erfassen, was bei einem Werbevideokanal zumindest nicht Hauptzweck sein k\u00f6nne, wie es die Vorschrift verlange. Die Zwecke der Videos seien hier viel mehr rein kommerzieller Natur, wobei eine m\u00f6gliche auch informierende, unterhaltende oder erziehende Wirkung lediglich als Mittel dem Ziel diene, den angestrebten Werbezweck zu erreichen. Ob eventuell die \u00fcbrigen Definitionskriterien eines audiovisuellen Mediendienstes erf\u00fcllt w\u00e4ren, sei laut EuGH irrelevant. Die von Peugeot ger\u00fcgte Verletzung von Art. 11 der Charta der Grundrechte der EU in Form einer Ungleichbehandlung von Werbevideos gegen\u00fcber anderen Videos wies der EuGH mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcck, dass sich Werbevideos nicht in einer mit Sendungen ohne Werbezweck vergleichbaren Situation befinden. Schlie\u00dflich seien solche Werbevideos auch nicht als audiovisueller Mediendienst in Form audiovisueller kommerzieller Kommunikation nach\u00a0Art.\u00a01 Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0a Ziff.\u00a0ii, Buchst. h einzuordnen, da sie nicht einer Sendung gegen Entgelt oder eine \u00e4hnliche Gegenleistung oder als Eigenwerbung beigef\u00fcgt oder darin enthalten seien. Vielmehr erfasse der Kanal von Peugeot lediglich individuelle und voneinander unabh\u00e4ngige Videos. Hieran \u00e4ndern laut EuGH auch die werblichen Einzelbilder nichts, die Peugeot am Anfang und Ende seiner Videos beif\u00fcgt (etwa in dem Sinne, dass die Einzelbilder als kommerzielle Kommunikation und der Rest des Videos als Sendung betrachtet werden k\u00f6nnte), da diese nicht den Werbecharakter des Videos als Ganzes in Zweifel stellen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Urteil des Gerichtshofs ist abrufbar unter:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=199509&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=lst&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=498061\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=199509&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=lst&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=498061<\/a><\/p>\n<p class=\"C01PointnumeroteAltN\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der EuGH hat mit Urteil vom 21. 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