{"id":5382,"date":"2020-10-15T16:22:09","date_gmt":"2020-10-15T14:22:09","guid":{"rendered":"http:\/\/emr-sb.de\/?p=5382"},"modified":"2020-10-15T16:36:54","modified_gmt":"2020-10-15T14:36:54","slug":"eugh-generalanwalt-verbot-regionaler-werbung-in-deutschlandweiten-rundfunkprogrammen-mit-eu-recht-vereinbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emr-sb.de\/gb\/eugh-generalanwalt-verbot-regionaler-werbung-in-deutschlandweiten-rundfunkprogrammen-mit-eu-recht-vereinbar\/","title":{"rendered":"EuGH-Generalanwalt: Verbot regionaler Werbung in deutschlandweiten Rundfunkprogrammen mit EU-Recht vereinbar"},"content":{"rendered":"<p>In der <strong>Rechtssache C-555\/19<\/strong> Fussl Modestra\u00dfe Mayr hat sich Generalanwalt Maciej Szpunar des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) in seinen Schlussantr\u00e4gen vom 15.10.2020 zur Frage ge\u00e4u\u00dfert, ob das in Deutschland bestehende grunds\u00e4tzliche Verbot regionaler Fernsehwerbung in einem bundesweit ausgestrahlten Programm mit dem Unionsrecht vereinbar ist. Er vertritt dabei die Ansicht, dass europ\u00e4isches Recht einer solchen Einschr\u00e4nkung nicht grunds\u00e4tzlich entgegen steht, allerdings sei mit Blick auf den freien Dienstleistungsverkehr zu pr\u00fcfen, ob es keine weniger restriktiven Ma\u00dfnahmen gibt, die der nationale Gesetzgeber einf\u00fchren k\u00f6nnte und die es erm\u00f6glichen w\u00fcrden, das Ziel des Schutzes der Meinungsvielfalt auf regionaler und lokaler Ebene zu erreichen.<\/p>\n<p>Hintergrund ist ein Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart. Die \u00f6sterreichische Fussl Modestra\u00dfe Mayr GmbH betreibt eine Kette von Modegesch\u00e4ften in \u00d6sterreich und im Freistaat Bayern.<\/p>\n<p>Im Mai 2018 schloss Fussl mit der deutschen SevenOne Media GmbH, welche die Vermarktungsgesellschaft der deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe ist, einen Vertrag \u00fcber die auf den Freistaat Bayern beschr\u00e4nkte Ausstrahlung von Fernsehwerbung im Rahmen des bundesweiten Programms von ProSieben \u00fcber die bayerischen Kabelnetze der Vodafone Kabel Deutschland GmbH.<\/p>\n<p>SevenOne Media verweigerte die Erf\u00fcllung dieses Vertrags mit der Begr\u00fcndung, dass es ihr nach dem Rundfunkstaatsvertrag (\u00a7 7 Abs. 11 RStV) untersagt sei, Fernsehwerbung im Rahmen bundesweit ausgestrahlter Programme regional auszustrahlen. Nach dem Rundfunkstaatsvertrag haben die Bundesl\u00e4nder zwar die M\u00f6glichkeit, regionale Werbung auf nationalen Fernsehkan\u00e4len zuzulassen, bislang hat jedoch keines der L\u00e4nder von dieser M\u00f6glichkeit Gebrauch gemacht. Fussl erhob daraufhin Klage beim Landgericht Stuttgart und beantragte, SevenOne Media zur Erf\u00fcllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen zu verurteilen. Das Landgericht legte dem EuGH daraufhin Fragen vor zur Vereinbarkeit des in Rede stehenden Verbots mit Unionsrecht.<\/p>\n<p>Generalanwalt Szpunar wies in seinen Schlussantr\u00e4gen nun darauf hin, dass das in Rede stehende Verbot den regionalen Werbemarkt den regionalen und lokalen Fernsehveranstaltern vorbehalten und diesen dadurch eine Finanzierungsquelle sichern solle. Die Aufteilung des Werbemarkts zwischen nationalen und regionalen Fernsehveranstaltern und folglich das hier in Rede stehende Verbot fallen seiner Meinung nach nicht in den Anwendungsbereich der Richtlinie \u00fcber audiovisuelle Mediendienste. Auch der Gleichbehandlungsgrundsatz stehe einem Verbot regionaler Werbung auf nationalen Fernsehkan\u00e4len nicht entgegen. Allerdings stelle das Verbot regionalisierter Werbung auf nationalen Fernsehkan\u00e4len eine Beschr\u00e4nkung der Dienstleistungsfreiheit dar, die jedoch durch einen zwingenden Grund des allgemeinen kulturpolitischen Interesses gerechtfertigt sein k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dabei habe der deutsche Gesetzgeber davon ausgehen durfte, dass der Eintritt der nationalen Fernsehsender in den regionalen Werbemarkt die Finanzierung der regionalen und lokalen Fernsehsender h\u00e4tte gef\u00e4hrden und damit die Meinungsvielfalt auf regionaler Ebene bedrohen k\u00f6nnen. Die streitige nationale Ma\u00dfnahme erscheine daher geeignet, das Ziel des Schutzes dieser Vielfalt zu erreichen. Ob die streitige Ma\u00dfnahme auch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sei, und insbesondere, ob weniger restriktive Ma\u00dfnahmen in Betracht k\u00e4men, m\u00fcsse allerdings das vorlegende Gericht entscheiden.<\/p>\n<p>Die Schlussantr\u00e4ge des Generalanwalts vom 15.10.2020 sind abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf;jsessionid=746787EEB8DDA70F93C13CCB32FA82C1?text=&amp;docid=232472&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=801709\">https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf;jsessionid=746787EEB8DDA70F93C13CCB32FA82C1?text=&amp;docid=232472&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=801709<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>EMR-Gutachten<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Zur Frage des Gestaltungsspielraums der EU-Mitgliedstaaten bei Einschr\u00e4nkungen der Dienstleistungsfreiheit mit dem Ziel der Medienvielfaltssicherung<\/strong> hatte das Institut f\u00fcr Europ\u00e4isches Medienrecht (EMR) im Kontext des aktuellen Verfahrens ein Gutachten im Juni 2020 ver\u00f6ffentlicht. N\u00e4here Informationen sind hierzu abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/emr-sb.de\/gutachten_regionalwerbeverbot\/\">https:\/\/emr-sb.de\/gutachten_regionalwerbeverbot\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Rechtssache C-555\/19 Fussl Modestra\u00dfe Mayr hat sich Generalanwalt Maciej Szpunar des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) in seinen Schlussantr\u00e4gen vom 15.10.2020 zur Frage ge\u00e4u\u00dfert, ob das in Deutschland bestehende grunds\u00e4tzliche Verbot regionaler Fernsehwerbung in einem bundesweit ausgestrahlten Programm mit dem Unionsrecht vereinbar ist. 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